Neuweiler-Gaugenwald. Lizanne (7) will wie die südamerikanische Sängerin Shakira aussehen. Als das Kind immer traurigerwird, erzählt ihre Mutter Ines die Geschichte von Karl Kasper und seinem blauen Haar. Jetzt ist sie aufgeschrieben. »Kasper ist verrückt«, .sagen die Leute. Er hat blaues Haar, pupst durch die Nase und geht auf den Händen. Karl gibt sich so wild, dass der Direktor des Puppentheaters kurzerhand ihn mit dem gesamten En- semble auf die Straße setzt. Kasper wandert mit seiner Großmutter durch das Land. Nach jeder Begegnung mit Tier oder Mensch verändert er sein Äußeres oder seinen Cha- rakter, bis er ein völlig ande- rer ist. Alle seine Freunde ver- lassen ihn. Zuletzt ist es die Großmutter, die Karl den rich- tigen Anstoß gibt, sich selbst zu finden. »Man muss sich akzeptie- ren, wie man ist«, erzählt die 37-jährige Autorin und Web- designerin. »Und nicht irgend- welchen Vorbildern nachei- fern.« Das sei die Kernaussa- ge, die Kohm, Mutter zweier Töchter, mit ihrem zweiten großen Werk machen will. Lange hatte es in einer anderen Fassung in ihrer Schreib- tischschublade geschlummert- Als sie die Einladung zu einer Lesung in die Neubulacher Stadtbibliothek bekam, arbei- tete sie den Text um. Zuvor war das Ende traurig und eher tragigkomödiastisch. Jetzt ist es fröhlich und hat ein gutes Ende.« Die Kinder in Neubu- lach seien begeistert gewesen. Sie hätten Karl Kasper gemalt. »Da hab' ich gemerkt, dass sie die Aussage verstanden ha- ben", sagt Kohm. Die Bilder will sie mit dem Text zu einem neuen Buch arrangieren. Einen Verlag hat sie noch nicht, da ihr jüngstes Werk nicht in das Programm ihres bisherigen Verlags passt. Doch im Internet unter www- sagen-haft. de können der In- halt und die Zeichnungen schon bewundert werden. Da die Reaktion auf ihre erste Lesung so positiv war, sollen weitere folgen. Auch beabsichtigt sie, ihre Geschichte zu einem Puppentheater umzuschreiben. Kohm arbeitet schon an neuen Projekten. Lizanne mag jetzt ihr dunkelblondes Haar. Auch Karl Kasper schätzt jede blaue Strähne.